Abgesehen vom Geschmack der Süße, den schon Neugeborene erkennen, sind geschmackliche Vorlieben nicht angeboren. Sie werden erworben und in frühester Kindheit durch das allmähliche Entdecken von Geschmacksrichtungen, Konsistenzen und Gerüchen geformt.
Was ist Geschmack?
Geschmack ist eine Kombination all der Wahrnehmungen, die wir erfahren, wenn wir Essen in den Mund nehmen. Westliche Geschmacksknospen können leicht zwischen 4 Richtungen entscheiden: süß, salzig, bitter und sauer. Während eines Essens können mehrere Geschmacksrichtungen vorhanden sein. Sie treten nacheinander während des Schmeckens auf. Geschmacksknospen befinden sich auf der Zunge und in der Nase, aber auch die Lippen und Mundschleimhäute spielen eine Rolle für die Wahrnehmung des Geschmacks. Sie übermitteln nicht nur den Geschmack, sondern auch andere Stimuli wie Temperatur und Konsistenz.
Warum gibt es den Geschmackssinn?
Der Geschmackssinn spielt eine wichtige Rolle für unser Überleben. Er ermöglicht uns “gute” Nahrungsmittel von den vielen Substanzen, die die Natur zu bieten hat, zu unterscheiden, damit wir die Bedürfnisse des Körpers befriedigen können. Die Motivation des Körpers ist das Lustempfinden. Der Genuss ist somit unser natürlicher Instinkt für die Auswahl von Lebensmitteln.
Das Lustempfinden ist eng mit unserer Einstellung zum Essen verbunden. Der Zweck dieser Lust beim Essen besteht darin, uns immer wieder zum Essen zu verleiten, damit wir unseren täglichen Energiebedarf decken. Häufig dient diese Lust aber nicht mehr dem eigentlichen Zweck. Dann wird Essen zum Trost gegen die ständigen Frustrationen und Niederlagen, die das Leben bereit hält.
Die Lust, die wir beim Essen empfinden, ist physiologisch begründet und bestimmt den Grad unserer Befriedigung. In bestimmten Situationen, kann die Lust am Essen überzogen und krankhaft werden. Dann wir die Nahrungsaufnahme zum Ausweg. Das kann Angst, Schuldgefühle und Frustration hervorrufen. Heutzutage bewirkt die Angst vor Übergewicht leider, dass man angesichts der Lust am Essen Schuldgefühle hat. Vorsicht vor den Ausschweifungen der “Mager-Vorbilder”!
Die Entwicklung des Geschmackssinns im Laufe des Lebens
Bei der Geburt reagiert ein Neugeborenes instinktiv auf Geschmack und mag nur Süßes. Dies ist ein uralter Überlebensreflex, da Muttermilch süß ist. Bittere Substanzen hingegen schmecken bitter. Kindern fällt es schwer, zwischen salzig und sauer zu unterscheiden und sie bevorzugen Süßes. Bitter schmeckendes wird lange abgelehnt. Eine wachsende Vorliebe für bitteres ist ein Zeichen eines reifenden Geschmackssinns. Während sich der Geschmackssinn eines Kindes entwickelt, bilden sich gleichermaßen Vorlieben und Abneigungen aus. Aversionen entstehen jedoch schneller, da sie vor potentiell schädlichen Nahrungsmitteln schützen. Die Vorlieben sind eine kluge Mischung aus Angeborenem sowie kulturell -und situationsbedigtem Nahrungsmittelangebot. Somit schafft sich jeder seine persönliche Geschmackspalette. Diese entwickelt sich im Laufe des Lebens, insbesondere mit zunehmendem Alter. Wenn wir älter werden, kann der Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel zurück gehen und auf andere zunehmen (das trifft oft auf Fleisch zu).
Der Geschmack von Gemüse
Viel besser als Fleisch oder Fisch (bei denen es kein bitter oder salzig gibt) ist Gemüse ein wunderbares Werkzeug zur Geschmacksausbildung. Es bietet eine Vielzahl von Geschmacksrichtungen, Konsistenzen, Aromen und Farben. Die große Vielfalt auf Märkten erhältlichen Obst und Gemüses ermöglicht unendliche Abwechslung bei Gerichten und Geschmäckern. Beim Essen ist es ständig “Aufgabe” der Eltern, ihren Kindern regelmäßig eine große Bandbreite verschiedener Geschmacksrichtungen anzubieten.
Kinder lehnen Essen oft ab, weil sie neue Geschmäcker nicht mögen, was entmutigend für Eltern ist. Aber hier geht es um die Zukunft des Kindes: Je größer die Nahrungsmittelvielfalt, desto höher der Schutz vor Mängeln und übermäßigem Essen.



